Ralf Gut, Kreisvorsitzender des Dehoga, sieht trotz Hindernissen Chancen für die Gastronomie
Von unserem Mitarbeiter Markus Zimmermann-Dürkop
KREIS EMMENDINGEN. Auch wenn Übernachtungszahlen zurückgegangen sind und das Mittagstischgeschäft nachgelassen hat, sieht Ralf Gut, der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotellerie und Gastronomie Verbandes (Dehoga) keinen Grund zum Jammern. Übernachtungszahlen seien nicht nur im Kreis rückläufig und im Mittagstischgeschäft sei "wenig, schnell, günstig gefragt" , so Ralf Gut bei einem Informationsbesuch des Grünen-Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde im "Hecht" in Bahlingen.
"Es gibt im Kreis zwei, drei Kollegen, die im Bereich Feinschmecker richtig Gas geben" , sagt Ralf Gut. Das beflügele auch die anderen Kollegen. Eine gesunde Konkurrenz belebe und diese werde nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander gepflegt. Ein sehr gutes Rezept sei es, auf saisonale und regionale Produkte zu setzen. "Das ist ein Verkaufsargument, das wahrgenommen wird" , meint Gut und bezieht sich dabei auf eigene Erfahrungen.
Konkurrenz sieht der Gastronom und Hotelier für das hiesige Gewerbe vor allem in ausländischen All-inclusive-Angeboten. Die Menschen wollen, wenn sie Urlaub machen, etwas erleben, suchen Events. Diesbezüglich müssten noch mehr Ideen entwickelt werden. Grundsätzlich gelte es, "eingefahrene Gleise zu verlassen" oder zumindest darüber nachzudenken. Dabei dürfe sich niemand zu schade sein oder zu stolz, auch externe Beratung in Anspruch zu nehmen. "Ein guter Ratgeber sind auch unsere durchaus qualifizierten Gäste" , sagt Gut. Tipps sollten ernst, Reklamationen zu Herzen genommen werden. "Wer nichts macht, wird schon in kurzer Zeit verlieren" , ist sich Gut sicher, der hinsichtlich Wellness-Angeboten einen deutlichen Nachholbedarf sieht.
"Wir brauchen bei Übergaben von Betrieben günstigere Regelungen" Ralf Gut
Einen deutlichen Unterschied sieht Gut zwischen den Betrieben am Kaiserstuhl und in der Rheinebene sowie jenen in der Vorbergzone des Schwarzwalds. Am Kaiserstuhl und in der Rheinebene profitierten die Gastronomen sehr von der Autobahn, von Urlaubsreisenden, die hier kurz vor der teureren Schweiz Station machen. Daneben gebe es einen eindeutigen Trend, dass zunehmend Franzosen die Lokale jenseits des Rheins schätzen. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis im Elsass stimmt nicht mehr" , sagt Gut. Dabei spiele der Euro sicher eine Rolle, denn er gewähre eine deutliche Transparenz der Preise.
Für Gäste aus der Schweiz sei der hohe Eurokurs dagegen momentan belastend. Gut möchte jedoch den Unterschied nicht an der Qualität der Häuser festmachen. "Wir haben in den Tälern auch sehr gute, erfolgreiche Häuser, was auch daran liegt, dass die sich permanent etwas einfallen lassen."
Auf den Markt habe die Politik wenig Einfluss, doch erwartet Gut, dass unter anderem die Regelungen bei Betriebsübergaben günstiger werden. "Wir brauchen bei Übergaben vernünftige Regelungen und bei den Kompromissen zur Erbschaftsteuer zeichnet sich ein richtiger Weg ab" , so Gut. Im Kreis würden in den nächsten Jahren rund 15 Prozent aller Betriebe zur Übergabe anstehen und die Nachfolger bräuchten Perspektiven, nicht Hemmnisse. Grundsätzlich rät er allen, für die dieser Schritt ansteht, einen runden Tisch zu bilden, an dem neben Abgebenden und Übernehmenden auch Bankenvertreter, Steuerberater und Dehoga-Berater sitzen.
Für Hoteliers seien die hohen Gebühren belastend. "Ein Fernseher ist in den Zimmern heute so selbstverständlich wie die Dusche" , sagt Gut. Dass ein Hotel mit 100 Zimmern für diese Normalität mit Gebühren in Höhe von rund 20 000 Euro jährlich belastet werde, sei nicht nachzuvollziehen. Nicht nur, weil die Zimmer nie zu 100 Prozent ausgelastet seien, sondern auch, weil die Gäste, wenn sie hier schauen, dies zu Hause eben nicht tun, aber dennoch bezahlen. Alexander Bonde sieht hier eine Lösung in der Regelung, die das Bezahlen der tatsächlichen und nicht der potenziellen Nutzung vorsieht.
"Eine Belastung für die Branche ist auch, dass jeder Gastronomie betreiben darf" , sagt Gut. Die geforderten Grundvoraussetzungen seien zu gering. Nicht nur, dass solche Betriebe dann schnell wieder von der Bildfläche verschwänden, öfter einen Wechsel hätten und damit manchmal der Ruf ganz kaputtgehe. "Dies belastet alle, wenn es darum geht, günstige Gelder zu bekommen." Gastronomie und Hotellerie hätten ein ganz anderes Rating bei der Kreditgewährung. Insgesamt sieht Gut jedoch für das Gastgewerbe im Kreis gute Voraussetzungen, wenn alle beherzigen, dass Stillstand Rückschritt sei.